Krankschreibung: Was ist erlaubt?

Februar 16, 2016 Kommentare deaktiviert für Krankschreibung: Was ist erlaubt?
Krankschreibung: Was ist erlaubt?

Wann müssen sich Arbeitnehmer krankmelden?

Arbeitnehmer müssen sich gleich am ersten Tag ihrer Krankheit, vor Arbeitsbeginn, bei ihrem Chef krankmelden. Dabei müssen sie ihm auch sagen, wie lange sie voraussichtlich nicht zur Arbeit kommen können.

Müssen Arbeitnehmer das Attest sofort an den Chef schicken?

Ab dem ersten Tag der Krankheit brauchen Arbeitnehmer eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Das gilt auch, wenn sie nur ein oder zwei Tage krank sind. Die Bescheinigung muss dem Arbeitgeber nach den Bestimmungen des Entgeltfortzahlungsgesetzes spätestens am vierten Tag vorliegen, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Tage andauert. Manche Chefs verlangen das Attest schon vorher, was üblich und rechtlich legitim ist.

Zahlt der Chef vom ersten Tag an Entgeltfortzahlung?

Ja. Kranke Mitarbeiter haben vom ersten Tag ihrer Krankheit an einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Diese zahlt der Arbeitgeber. Sie beträgt 100 Prozent des Nettolohns. Dauert die Krankheit länger als sechs Wochen, endet die Entgeltfortzahlung. Dann springt die Krankenkasse mit dem Krankengeld ein.

Dürfen Arbeitnehmer Sport treiben?

Auf diese Frage gibt es keine generelle Antwort, denn es kommt auf die Krankheit an. „Zunächst einmal gilt: Arbeitnehmer dürfen nichts tun, was verhindert, dass sie genesen und schnell wieder gesund werden“, erklärt der Rechtsanwalt Dr. Johannes Schipp, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). Es könne Krankheiten geben, bei denen Sport zur Genesung beitrage. „In solch einem Fall dürfen krankgeschriebene Arbeitnehmer durchaus Sport treiben“, sagt Schipp.

 Müssen kranke Mitarbeiter zu Hause bleiben?

Wenn ihre Krankheit das gar nicht verlangt, müssen Arbeitnehmer nicht zwangsläufig das Bett hüten.

Solange es Ihrer Gesundung dient, dürfen kranke Arbeitnehmer auch verreisen. Das hessische Landesarbeitsgericht hob beispielsweise 2012 eine Kündigung gegen einen Mitarbeiter auf, der während seiner Krankschreibung per Bahn zu seinen Eltern gereist war um sich auszukurieren (AZ: 18 Sa 695/12).

Wer sich trotz Krankschreibung wieder fit fühlt, darf übrigens ohne weiteren Arztbesuch an seinen Arbeitsplatz zurückkehren. Eine „Gesundschreibung“ gibt es nicht.

Darf man shoppen gehen oder sein Kind in die Kita bringen?

Auch hier gilt: Solange Mitarbeiter mit ihren Aktivitäten nicht verhindern, dass sie schnell gesund werden und an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, spricht nichts gegen einen Gang in den Supermarkt oder zur Kita. Schaden sie sich damit aber doch, darf ihr Chef sie dafür abmahnen oder im schlimmsten Fall sogar kündigen.

„Deshalb ist es nicht angezeigt, sein Kind in die Kita zu bringen, wenn man zum Beispiel hohes Fieber hat“, erklärt Schipp. „Denn das kann dazu führen, dass sich die  Krankheit verschlimmert.“ Anders aber wenn sich jemand die Hand gebrochen hat: Dass sie oder er das Kind zur Kita bringt, behindert die Genesung nicht.

Müssen Arbeitnehmer erreichbar sein?

Prinzipiell nicht. Aber man sollte vorsichtig sein: Arbeitnehmer haben gegenüber ihrem Arbeitgeber sogenannte Treuepflichten. Sollten während der Krankheit doch Nachfragen kommen, die nur dieser eine Mitarbeiter wissen kann, ist Kooperation angezeigt.

Darf der Chef Mitarbeiter kontrollieren?

In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass Chefs an der Krankheit ihrer Angestellten zweifeln. Üblich ist es dann oft, dass Arbeitgeber in solchen Fällen den Medizinischen Dienst der Krankenkasse einschalten. Diese bestellen die Mitarbeiter ein und erstellen ein eigenes ärztliches Gutachten. Es gibt aber noch eine Variante: Manchmal kontrollieren Chefs selbst oder Mitarbeiter aus der Firma ihre krankgeschriebenen Kollegen. Finden sie heraus, dass der Arbeitnehmer gar nicht krank ist, können solche Betrugsversuche zu einer Verdachtskündigung führen.

Übrigens: Zu einer Kündigung kann es auch kommen, wenn jemand krankfeiert, der eigentlich gesund ist. Dabei riskiert auch derjenige seinen Job, der einen Kollegen dazu anstiftet.

Quelle: DAV Deutscher Anwaltverein, www:anwaltsauskunft.de

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